15.02.2006
Ich habe die Bundesregierung zu Ihren Erkenntnissen über Schnüffelstoffkonsum und mögliche Präventionsmaßnahmen befragt.
Frage: Welche aktuellen Erkenntnisse, die über die europäische Schülerstudie zu Alkohol und Drogen (ESPAD) hinausgehen, liegen der Bundesregierung zu Fallzahlen und zur Konsumentenstruktur bei so genannten Schnüffelstoffen vor?
Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Marion Caspers-Merk vom 26. Januar 2006: Neben den Daten aus dem Jahr 2003 für die Altersgruppe der 15- bis 16-Jährigen, die in der ESPAD-Studie (European School Survey Project on Alcohol and other Drugs) veröffentlicht sind, liegen Angaben zum Konsum von Schnüffelstoffen aus der Drogenaffinitätsstudie von 2003/2004 der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für die Altersgruppe der 12- bis 25-Jährigen und aus dem Epidemiologischen Suchtsurvey/Repräsentativerhebung 2005 (ESA) des Instituts für Therapieforschung München für junge Erwachsene vor.
Die Ergebnisse der ESPAD-Studie zeigen, dass die (Lebenszeit-)Erfahrungen im Konsum von Schnüffelstoffen in der Altersgruppe der 15- bis 16-Jährigen mit 11,3 Prozent relativ hoch sind. Die erheblich niedrigeren Werte des aktuellen Konsums (5 Prozent Konsum im letzten Jahr und 1,9 Prozent Konsum in den letzten 30 Tagen) weisen dagegen auf ein deutlich geringeres Interesse an diesen Stoffen in diesem Altersbereich hin.
Es ist zu vermuten, dass der Umgang mit Schnüffelstoffen ein passageres Verhalten darstellt, das in erster Linie jüngere Jugendliche und auch Kinder vor dem 15. Lebensjahr betrifft. Diese Vermutung wird gestützt durch die Angaben aus der Drogenaffinitätsstudie der BZgA, in der eine Lebenszeitprävalenz im Konsum von Schnüffelstoffen in der Gruppe der 12- bis 25-Jährigen von 1 Prozent ermittelt wurde.
Frage: Welche Präventionsprogramme gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung, die auf die Vermeidung des Schnüffelstoffkonsums zielen, und welchen Handlungsbedarf sieht die Bundesregierung, die existierenden Programme zur Suchtprävention zu ergänzen/zu verändern?
Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Marion Caspers-Merk vom 26. Januar 2006: Auf dem Internetportal www.drugcom.de der BZgA wird zu den Folgen des Konsums von Schnüffelstoffen informiert. Von der Fachstelle für Suchtvorbeugung in Bochum ist 2003 eine 28-seitige, umfassende Broschüre zum Thema Schnüffelstoffe erstellt worden. Über das bei der BZgA geführte Dokumentationssystem Dot.sys werden Mitte dieses Jahres Informationen über kommunale Präventionsmaßnahmen, die den Konsum von Schnüffelstoffen thematisieren, vorgelegt. Darüber hinaus sind zurzeit keine weiteren Informationen über spezifische Präventionsmaßnahmen für die Zielgruppe bekannt.
Präventionsmaßnahmen für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche sind im Übrigen auch in der stoffunabhängigen Kampagne der BZgA Kinder stark machen enthalten, die auf eine Stärkung der Persönlichkeit abzielt.